Kategorie: Essen & Trinken

Ernährungstrends – Wie gesund sind sie wirklich?

Essen wie die Neanderthaler oder lieber nur gepresste Säfte? Wir stellen aktuelle Trends vor, die von den Ernährungsexperten Christine Leicht und Dr. Julia Clavel von der TU München beurteilt werden, wie gesund und alltagstauglich diese Trends wirklich sind. Für alle Neugierigen gibt es Tipps, in welchen Münchner Restaurants Sie die Ernährungsformen mal ausprobieren können.

Raw

Darum geht’s: Der Ernährungstrend „Raw“, auch Rohkostdiät, ist dem Clean Eating sehr ähnlich. Auch hier werden nur natürliche Zutaten verwendet, allerdings im rohen Zustand.

Das kommt auf den Teller: Obst, Säfte, rohes Gemüse, Salat, Sprossen, Nüsse, kaltgepresste Öle

Das ist tabu: Alle Lebensmittel, die gekocht oder industriell verarbeitet sind sowie tierische Produkte. Salz und Zucker werden nur sehr sparsam verwendet.

Signature Dish: Rucolasalat mit Früchten und Nüssen

Was ist dran?: Da wir es gewohnt sind, Gemüse meist gekocht zu uns zu nehmen, muss sich der Körper erst an die Rohkost gewöhnen. In der ersten Phase können häufiger Blähungen auftreten. Obwohl einige Vitamine beim Erhitzen zerstört werden, können Vitamine, wie das Beta-Karotin aus Möhren nur im gekochten Zustand aufgenommen werden. „Wer sich nur von Obst und Gemüse ernährt, muss langfristig mit Mangelerscheinungen rechnen“, sagt Dr. Julia Clavel. Über eine kurzen Zeitraum sei aber nichts dagegen einzuwenden. Zum Beispiel bei der Variante „Raw till four“: Bis vier Uhr gibt es Rohkost, danach darf normal gegessen werden.

Hier probieren: Gratitude, Türkenstraße 55; Glückskost, Amalienstraße 91 (Auswahl)

Ketogene Ernährung

Darum geht’s: Beliebt bei Sportlern und Abnehmwilligen. Die ketogene Ernährung ist eine Extremform der Low-Carb-Kost. gilt als Wunderdiät, doch sie bedeutet eine extreme Ernährungsumstellung. Es geht darum, kaum Kohlenhydrate zu essen und sie durch Fette und Proteine. Kohlenhydrate stellen eine wichtige Energiequelle dar. Insbesondere das Gehirn benötigt diese für eine optimale Leistungsfähigkeit. Bei der Ketogenen Diät wird der Stoffwechsel nach einigen Tagen so umgestellt, dass das Gehirn in der Lage ist, die entstehenden Ketonkörper als Energiesubstrat zu verwerten.

Das kommt auf den Teller: Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Nüsse und Samen

Das ist tabu: Kohlenhydratreiche Lebensmittel, wie Nudeln, Brot, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Obst, Zucker

Signature Dish: Gefüllte Hähnchenbrust auf Brokkolibett mit Käsesoße

Was ist dran?: Wie auch bei der Low-Carb Ernährung, lasse sich initial eine gute Gewichtsabnahme erreichen. “Der hohe Verzehr an tierischen Fetten kann sich in einem schlechteren LDL-Cholesterinwert bemerkbar machen, was langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht”, sagt Dr. Julia Clavel. Zu Beginn kann es zu Verdauungsproblemen, Müdigkeit und unangenehmen Körpergeruch kommen. Auch wenn diese Ernährungsform bei Kindern mit Epilepsie als medizinische Indikation (stationär angeleitet und streng überwacht) eingesetzt wird, kann sie nicht vorbehaltlos bei gesunden Menschen empfohlen werden.

Intervall-Fasten

Darum geht’s: Fasten, wer hat es nicht schon einmal versucht? Viele Religionen haben Tage oder Perioden des Fastens. Anders motiviert ist das Intervall-Fasten: Ein oder zwei Tage in der Woche wird reduziert gegessen, die Zufuhr liegt etwa bei 500 – 800 kcal. An den anderen Tagen isst man ganz normal und möglichst ausgewogen. Es soll den Körper „reinigen“ und die Kilos purzeln lassen.

Das kommt auf den Teller: Alles, was schmeckt. An den Fastentagen: Rohkost, Säfte, Formula Diäten

Was ist dran?: Das Positive: “Es gibt kaum einen Jojo-Effekt”, sagt Christine Leicht, “und man kann bis auf die zwei Fastentage alles essen.” Die Fastentage frei wählbar und können individuell dem Wochenrhythmus angepasst werden. Allerdings ist zu beachten, dass an den anderen Tagen auf eine ausgewogene Ernährung Wert gelegt und nicht ungehemmt „geschlemmt“ werden kann.

Weitere Ernährungstrends findet ihr in der morgigen Ausgabe der tz.

Autorin: Judith Freese